• 26 Apr 2009 /  Argentinia, Latin America 2 Comments

    Einem Tipp von Jens folgend (nicht vergessen: HU-Treffen in Ober-Liebersbach am 21.-24.Mai) fahren wir im Staedtchen Azul bei ‘La Posta del viajero en Moto’, dem Treffpunkt fuer Motorradreisende, vorbei. Kaum die Motoren abgestellt, werden wir schon von Jorge, der aus seiner kleinen Werkstatt gelaufen kommt, begruesst.

    Die La Posta ist ein Geheimtipp unter Motorradreisenden. Das Staedtchen Azul wird in kaum einem Reisefuehrer erwaehnt. Da wir fuer argentinische Verhaeltnisse recht spaet im Jahr unterwegs sind, sind wir die einzigen, die ihr Zelt im Garten aufschlagen.

    Dennoch herrscht reger Betrieb in der ‘La Posta’. Waehrend Jorge in seiner Werkstatt an einem Ofenrohr herumbastelt, kommt alle paar Minuten ein anderer Freund oder Motorradfahrer aus der Gegend vorbei. Zum Arbeiten kommt er dabei nicht wirklich. So kommen wir beim Besuch eines befreundeten BMW-Fahrers zu unserer ersten richtigen Mate-Runde.

    Jorge ist ein Super-Typ. Seine ‘La Posta’ ist bereits so etwas wie ein Tempel fuer Motorradreisende. Wir hatten schon einmal von ihm auf dem HU-Treffen in Deutschland gehoert. Dort wurde die Geschichte erzaehlt, dass 2007 einige hundert deutsche Motorradfahrer Geld gesammelt hatten, um Jorge als Dankeschoen fuer seine immer waehrende Gastfreundschaft zu einer Motorradrundreise durch die Schweiz, Oesterreich und Deutschland nach Europa zu fliegen. Auch er selbst erzaehlt gerne ueber dieses Erlebnis.

    Die Waende der Werkstatt und des Aufenthaltsraums sind flaechendeckend mit Spruechen und Danksagungen von Motorradreisenden der letzten zwei Jahrzehnte beschrieben, sowie mit verschlissenen Motorradteilen behaengt. Wir haben Muehe, noch ein freies Eckchen fuer eines unserer selbst gemachten Nummernschilder und einen Spruch zu finden. Zum Glueck hat Jorge gerade eine neue, noch jungfraeuliche Tuer eingebaut, die wir einweihen duerfen.

    Wie bereits bei vielen Reisenden zuvor, schafft es Jorge, uns zum laenger bleiben zu ueberreden. Es treffen sich, wie jeden Freitag, auch diese Woche wieder die lokalen Clubmitglieder zum Grillen. Die lustige Truppe gibt uns sofort das Gefuehl, schon ewig Mitlgied in Ihrem Club zu sein, und laesst uns den Abend unter neuen Freunden geniessen.

    Fuer Samstag hat die bunt gemischte Truppe einen Ausflug mit Uebernachtung in der Wildnis geplant. Das Alter der Teilnehmer reicht von Mitte zwanzig bis 76 Jahren. Einige haben das letzte mal vor gut 15 Jahren gecampt und sind entsprechend aufgeregt, da es um diese Zeit nachts recht kalt werden und auch mal regnen kann.

    Der Grossteil der Truppe reist ueber geteerte Strassen an. Wir werden von Mono, der auf einer 125er unterwegs ist, ueber Gelaendepisten mit Zwischenstopp an einem Kloster zum Treffpunkt gefuehrt. Der Wiesenplatz liegt zwar recht abgelegen, ist mit seinen Schrottskulpturen jedoch ein beliebtes Ausflugsziel und etwas weniger wild als wir es uns vorgestellt hatten.

    Sofort wird damit begonnen, das Feuer fuer das geplante Asado vorzubereiten und die Zelte aufzubauen. Neben dem Feuer wird ein ganzes Lamm auf einem Metalkreuz aufgespannt. Um uns und das Feuer vorm starken Wind zu schuetzen, wird das Asado hinter einem verschrotteten Bus zelebriert. Die ‘Location’ ist mit dem Bus, etlichen anderen Schrottteilen und Skulpturen sehr skuril.

    Antonio, mit 76 Jahren der aelteste Teilnehmer, hat sich als Militaergeneral verkleidet und spielt seine Rolle koestlich. Obwohl heute abend vom einfachen Landarbeiter ueber den steinreichen argentinischen Rolex-Importeur bis zum mehrere tausend Hektar schweren Farmbesitzer alles vertreten scheint, ist die Truppe unglaublich harmonisch. Beim warten auf Essen gehen mehrere Matebecher in der Gruppe herum. Mit gut 15 Personen verspeisen wir nicht nur das Lamm, sondern dazu noch einige Kilo gebratene Chorizo. Fleischlose Beilagen gibt es ausser Weissbrot keine.

    Nachdem bis spaet in die Nacht gefeiert wurde, sind die meisten erstaunlicherweise bereits morgens um acht zum Sonnenaufgang wieder auf den Beinen. Wir haben zwar nicht gefroren, die Nacht scheint jedoch kalt gewesen zu sein. Das Kondenswasser ist in grossen Tropfen auf unserem Zelt fest gefroren und auch die Sitzbaenke der Motorraeder sind mit einer Eisschicht ueberzogen. Neben Mate gibt es bereits Kaffee und Kuchen als Fruehstueck am Lagerfeuer.

    Ein Teil der Gruppe begleitet uns noch ein Stueckchen Richtung Buenos Aires, bevor wir endgueltig Abschied nehmen muessen von diesen aussergewoehlich gastfreundlichen Menschen, die wir als neue Freunde gewonnen haben.

    Posted by bjoern @ 5:20

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